Alte Bildpostkarte mit Eichenlaub, auf einem Kalenderblatt nachgedruckt

Volle Fahrt voraus - in die Freiheit

Heimatbund und Geschichtsverein veröffentlicht neuen Kalender und erinnert an historische Ereignis


Lauenburg. Geschichtlich interessierte Bewohner der Stadt, aber auch „Butenlauenburger“, die das Schicksal in alle Welt verschlagen hat, warten schon darauf: Der Kalender des Heimatbund und Geschichtsvereins für 2021 liegt druckfrisch auf dem Tisch.

Natürlich wieder mit historischen Lauenburger Ansichten auf jedem Monatsblatt. Waren es in den vergangenen Jahren fast ausschließlich alte Postkartenmotive aus dem schier unerschöpflichen Fundus von Joachim Kedziora, sind es wie schon im vergangenen fahr historische Aufnahmen, die nicht als Grüße in die Welt geschickt wurden.

Insgesamt 125 Schwarz-Weiß-Fotos hat der zweite Vorsitzende des Vereins, Manfred Maronde, gesichtet. Diesen Schatz hatte ihm der Lauenburger Hans-Jürgen Boisen übergeben. Zwölf der 15 Aufnahmen für die Titelseite und die Kalenderblätter stammen von Gustav Knackendöffel. „Er war ein leidenschaftlicher Fotograf in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Seine Aufnahmen entstanden noch mit einer Plattenkamera“, weiß Maronde. Illustrierten in den vergangenen Jahren meist historische Lauenburger Gebäude die Kalenderblätter, stehen diesmal Menschen aus der alten Schifferstadt im Fokus. Unter dem Thema „Elbe und Hafen“ zeigt es das frühere Leben am Fluss.

Altere Lauenburger erzählen, dass die Elbe im Winter häufig komplett zugefroren war - so wie auf dem januar-Kalenderblatt. Zu Fuß konnte man an das andere Ufer in Hohnstorf gelangen. Damit niemand ausrutschte, hatte der Fährmann einen Weg abgestreut. Überhaupt war die Elbe zu allen Zeiten Lebensader der Schifferstadt. Im Sommer badeten die Familien darin, Angler hofften auf einen großen Fisch, ungeachtet der Tatsache, dass die qualmenden Dampfschiffe reihenweise an ihnen vorüberzogen. Fischer zogen ihre vollen Netze ein. Mit Blick für Details hat Gustav Knackendöffel die Szenen fotografisch festgehalten.

Eine Ausnahme ist das Kalenderblatt für den Monat Februar. Das Foto stammtaus dem Nachlass des Schiffers Otto Strube und zeigt ihn 1962 vor zwei Schiffen. Eigentlich eine alltägliche Situation, doch dahinter steckt eine dramatische Geschichte. Am 15. Oktober 1958 glückte Strube und seiner Familie aus Parey (Sachsen-Anhalt) eine abenteuerliche Flucht in den Westen. Der Kapitän des Motorschiffes „Kurier“ war auf einer Leerfahrt von Magdeburg aus unterwegs. Was dann passierte, liest sich in der Lauenburgischen Landeszeitung vom 30. Oktober 1958 so: „Strube ließ die Maschine mit voller Kraft laufen und war anderen Schiffen bald voraus. Er passte die richtige Minute ab, riss das Steuer herum und machte kurz darauf in Gorleben, vier Kilometer von Schnakenburg entfernt, fest.“

Die Flucht war gelungen, aber eben nur zur Hälfte, denn eine Weiterfahrt elbabwärts hätte das Gebiet der DDR berührt. So blieb nur der Landtransport. Arbeiter der Lauenburger Werft Heidelmann zogen die „Kurier“ an Land und schnitten sie kurzerhand auseinander. Aber wie weiter? Hier sprang die Bundesbahn ein und beorderte einen „Straßenroller“ nach Gorleben. So ging es auf der Straße über Uelzen nach Hoopte an die Elbe und endete schließlich glücklich in Lauenburg.

Bergedorfer Zeitung 8. September 2020, von Elke Richel

Frachtschiff „Kurier“ wurde in zwei Teilen über Land nach Lauenburg gefahren, hier schwimmt es wieder (Kalenderblatt Februar).

Tieflader rollt mit halbem Schiff durch Gorleben.

Kalender Frachtschiff 'Kurier' aus zwei Teilen wieder zusammengesetzt im Hafen Landtransport des Frachtschiffes 'Kurier' von Otto Strube 1962

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